Demenz

Was heißt das eigentlich?

50-60% der Sorgebedürftigen in Deutschland sind an einer Demenz erkrankt. Hauptursache für eine dementielle Erkrankung ist das Alter. Unter den 65-70jährigen liegt die Zahl der Betroffenen unter 3%. Bei den über 80jährigen ist jeder 5. und bei den über 90jährigen bereits jeder 3. betroffen. Mit der Zunahme des Anteils Älterer in unserer Gesellschaft, steigt also auch die Zahl der Erkrankungen. Betrug die durchschnittliche Lebenserwartung vor 120 Jahren noch circa 40 Jahre, werden heute Frauen durchschnittlich 82 und Männer 77 Jahre alt. Jedes 2. Mädchen, das heute geboren wird, kann erwarten 100 zu werden.

In Deutschland sind circa 1-1,2 Million Menschen an einer Demenz erkrankt. Pro Jahr erkranken ungefähr 200 000 Menschen neu an einer Demenz. Für 2030 gehen Schätzungen von über 2 Millionen betroffenen Menschen aus.

In Schleswig-Holstein leben über 41.000 Menschen mit Demenz. (Weitere demenzbezogene Zahlen für Schleswig-Holstein finden Sie unter http://www.demenz-sh.de/index.php/demenzzahlen.html.)

Was genau ist aber eine Demenz und wie wirkt sie sich auf die Betroffenen und ihre Angehörigen aus?

Definition "Demenz"

Erscheinungsformen der Demenz

Entwicklung der Erkrankung und ihre Auswirkungen auf Betroffene und Angehörige

Demenz als das Leiden der Angehörigen

Behandlung von Demenzerkrankungen und Umgang mit den Betroffenen

Medizinische Behandlungsmöglichkeiten der Demenz

nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und Umgang /Aktivierung bei Demenz

Prävention von Demenz


Definition "Demenz"

Frau SpiegelWörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Demenz „weg vom Geist“, „ohne Geist“. Demenz ist ein Sammelbegriff. Alzheimer ist die häufigste Demenzform.

Eine Demenz liegt vor, wenn über mindestens sechs Monate chronische oder fortschreitende Denkschwierigkeiten, Gedächtnis- und Orientierungsstörungen vorliegen. Der Betroffene ist dabei bei klarem Bewusstsein. Als Folge einer Demenz, sind Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung, Veränderungen in der Stimmungskontrolle und im sozialen Verhalten festzustellen.

Kennzeichnend für eine Demenz ist, dass neben den lang anhaltenden, deutlichen Beeinträchtigungen im Kurz- und Langzeitgedächtnis mindestens eine weitere Störung auftritt:

  • Abnahme der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens
  • Sprachstörungen/Störung des Sprachverständnisses (Aphasie)
  • Störungen des Erkennens (Agnosie)
  • Störungen von Handlungsabläufen / im Gebrauch von Gegenständen (Apraxie).

Ein Beispiel, das den Unterschied „normaler“ Vergesslichkeit zu einer Demenzerkrankung deutlich machen soll:

Wurde zum Beispiel ein Schlüssel verlegt, so ist es dem Gesunden möglich, gezielt danach zu suchen. Er würde an typischen Orten oder in zuletzt benutzten Dingen (Manteltasche, Handtasche,...) nachsehen. Beim Erkrankten besteht die Fähigkeit des logischen Zurückverfolgens nicht mehr. Bei ihm würde der Schlüssel eher an ungewöhnlichen Orten wieder aufgefunden werden. Eventuell hätte der Betroffene auch gar keine Benennung oder Verwendungsidee für den Gegenstand mehr.

Kommt es zu kurzzeitigen Verwirrtheitszuständen (z.B. durch Flüssigkeitsmangel, Über- oder Unterzuckerung, Fieber, Medikamentenneben- oder wechselwirkungen, Entzug von Alkohol oder Schlafmitteln oder durch schwere Traumata) handelt es sich nicht um eine Demenz sondern um ein Delir.

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Erscheinungsformen der Demenz

Demenzen werden in primäre (90%) und sekundäre Formen (10%) unterteilt. papagei

Unter die primären Formen fallen Alzheimererkrankungen (60%), vaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose (20%) und Mischformen (10%). Auch 1/3 der Parkinsonpatienten entwickelt eine Demenz, die der primären Form zuzuordnen ist.

Sekundären Formen einer Demenz liegen andere Erkrankungen oder Ursachen zu Grunde. Die Demenz entsteht z.B. durch Stoffwechselstörungen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion, durch Herzinsuffizienz, Vitaminmangel, chronische Vergiftungen / Infektionen, Tumore oder Normaldruckhydrozephalus (Abflussstörung der Hirnrückenmarksflüssigkeit).

Nur circa 60% der Demenzen werden entdeckt, davon werden nur 20% zu einer Behandlung überwiesen. Bei 3-8% der Patienten ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Die Alzheimerkrankheit entsteht durch ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren, die das Absterben von Hirnnervenzellen und ihren Verbindungen bewirken. Eine Rolle spielen dabei Eiweißablagerungen (Plaques) und die Verminderung von Botenstoffen, wie dem Acetylcholin, welches für die Konzentration und Merkfähigkeit zuständig ist. Kennzeichnend für die Alzheimerkrankheit ist eine schleichende, kontinuierliche Verschlechterung des Zustandes. Ein höheres Risiko zu erkranken, bzw. die Krankheit nicht für eine längere Zeit kompensieren zu können, haben Menschen mit geringerer Bildung, wenig geistiger Tätigkeit und kaum sozialen Kontakten. Erbliche Faktoren sind seltener Ursache einer Demenz. Sie spielen aber bei einigen der Erkrankungen, die schon vor dem 60. Lebensjahr beginnen eine Rolle.

Bei den gefäßbedingten (vaskulären) Demenzen kommt es aufgrund von Durchblutungsstörungen zur Erkrankung. Auslöser können z.B. mehrere kleine Schlaganfälle sein. Der Verlauf ist schwankender. Häufig kommt es zusätzlich zu neurologischen Störungen: ersichtlich im Gangbild, in der Koordination, bei den Empfindungen oder auch in epileptischen Anfällen. Risikofaktoren für gefäßbedingte Demenzen sind Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Fettstoffwechselstörungen.

Bei einer frontotemporalen Demenz (Morbus Pick) findet eine Veränderung des Serotoninstoffwechsels in den vorderen Hirnabschnitten statt. Bei den Erkrankten sind eher die Flexibilität und Persönlichkeit als die Merkfähigkeit betroffen. Der Krankheitsbeginn ist meist früher (schon ab 20 Jahren, im Mittel liegt er bei 58 Jahren). Hier liegt ein höheres Risiko der Vererbung vor. Medikamentös sind die Patienten schwierig zu behandeln, da sie häufig sehr empfindlich gegenüber Nebenwirkungen von Neuroleptika reagieren.

Bei der Levy-Körperchen Demenz sind stärkere Schwankungen im Erscheinungsbild typisch. Die Patienten neigen zu Halluzinationen. Parkinsonsymptome können auftreten. Auch hier gibt es eine reduzierte Toleranz bei Neuroleptikagabe.

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Entwicklung der Erkrankung und ihre Auswirkungen auf Betroffene und Angehörige

adventDemenz hat viele Gesichter. Bei der Erkrankung spielen Stadien und Verläufe, aber auch die Persönlichkeit, deren Biografie und deren aktuelle Lebensbedingungen eine Rolle. So ist immer nur eine generelle Beschreibung möglich. Trotzdem gibt es viele typische Anzeichen. Demenzen entwickeln sich in der Regel schleichend. Rückwirkend betrachtet gibt es häufig einen Vorspann von 10 - 20 Jahren, in denen die Personen aus dem Gleichgewicht geraten, es ihnen jedoch recht gut gelingt, Einbußen zu kompensieren. Je früher im Leben die Krankheit beginnt, desto rascher ist in der Regel ihr Verlauf. Die Dauer der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Die Verluste nach innen und außen können in 3 Stadien eingeteilt werden: die frühe, die mittlere und die späte Phase.

Frühphase der Demenz

Das frühe Stadium wird auch manchmal als "Welt der Erfolgslosigkeit" bezeichnet. Auch wenn Frühbetroffene die Schwere der Beeinträchtigung und deren Auswirkungen nicht unbedingt adäquat beurteilen können, sind sie sich über das Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit meist bewusst und dadurch verunsichert, beschämt oder wütend. Sie versuchen, die Krankheit zu vertuschen und ihre Fassade zu wahren. Das geschieht z.B. durch Bagatellisieren, Ausreden oder Anschuldigungen. Auffällig sind im Anfangsstadium die Störung des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Der „Arbeitsspeicher“, zuständig für die Verknüpfungen, funktioniert nicht mehr zuverlässig. Dadurch lässt die Kombinationsgabe nach. Es ist nicht möglich oder sehr schwer, Neues langfristig dazuzulernen. Die Konzentrationsspanne ist gering und die Ablenkbarkeit hoch. Erste Sprachstörungen, vor allem in Wortfindung und Ausdruck treten auf. Ebenso kann es zu Orientierungsstörungen (zeitlich, örtlich, situativ, zur Person) kommen. Wahrnehmens-, Verhaltens- und Erlebensstörungen können auftreten. Handlungen zu planen, Urteile zu fällen, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen bereiten zunehmend Schwierigkeiten. Das Handeln aus dem Impuls nimmt zu. Der Sinn für soziale Umgangsformen schwindet langsam. Ein Kontrollverlust über die eigenen Gefühle führt zu Stimmungsschwankungen und leichter Reizbarkeit. Viele Frühbetroffene leiden unter einer innerlichen Vereinsamung, da keiner in ihre Erlebenswelt folgen mag, bzw. sie sich selbst aus Überforderung zurückziehen. Trotzdem ist eine große haltsuchende Anhänglichkeit da. Häufig liegt eine Antriebsschwäche vor. Es fällt schwer, sich selbst zu beschäftigen. Ein allgemein nachlassendes Körpergefühl (z.B. bei Berührungen, Hitze oder Kälte, Hunger oder Durst) und mangelnde Informationsverarbeitung führen zu Fehleinschätzungen von Gefahren und inadäquaten Reaktionen. Präzise Äußerungen z.B. über Schmerzen sind nicht mehr möglich.

Mittlere Phase der Demenz

Im mittleren Stadium, auch als "Welt der Ziellosigkeit" bezeichnet, stellen sich zunehmend Einschränkungen bei der Bewältigung des Alltags ein. Funktionsweisen von Gegenständen und Räumen verlieren ihre Bedeutung. Die räumliche Orientierung lässt weiter nach. Die Sprachstörungen werden ausgeprägter. Die Auffassungsgabe reicht auch für einfache kurze Mitteilungen nicht aus. Die Selbstpflege überfordert. Das Handeln aus dem Impuls überwiegt. Es fällt den Betroffenen schwer, zu erkennen in welcher Situation was angebracht ist. Der Sinn für Eigentum oder Privatsphäre schwindet. Die Umwelt erscheint chaotisch. Wirklichkeitsfremde Überzeugungen stellen sich ein. So meinen die Betroffenen häufig, bestohlen oder betrogen worden zu sein. Es kann zu eventuell angstauslösenden Verkennungen wie Fehldeutungen von Schatten, Bewegungen, Geräuschen oder der Verwechslung von Fernsehbildern mit der Wirklichkeit kommen. Echte Halluzinationen, bei denen Dinge oder Lebewesen gesehen oder gehört werden, die objektiv nicht da sind, sind seltener. Im Selbsterleben geschieht häufig ein Zurückfallen in frühere Zeiten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können keine Struktur mehr liefern. Auch das Unterteilen des Tages in Zeitabschnitte ist nicht mehr möglich. Der Tag- und Nachtrhythmus ist gestört. Es besteht in der Regel keine eigene Krankheitseinsicht. Die Betroffenen fühlen sich jung, dynanisch und im Vollbesitz ihrer Kräfte. Oft ist der Bewegungsdrang groß. Die Unruhe führt unter Umständen zu Agressivität. Eine beginnende Inkontinenz tritt auf.

Spätes Stadium der Demenz

Im fortgeschrittenen Stadium, der „Welt der Schutzlosigkeit“, ist die Übernahme der Pflege und Hilfe im Alltag notwendig. Auch das Langzeitgedächtnis ist nun betroffen. Selbst nahe Personen werden zum Teil nicht mehr erkannt. Die Sprache besteht nur noch aus wenigen Worten oder Lauten. Bewegungen oder Laute werden oft monoton wiederholt. Die Betroffenen haben häufig Angst vor dem Alleinsein. Aufgrund von Gangunsicherheit oder Bettlägerigkeit sind sie den sie umgebenden Reizen völlig ausgeliefert. Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren. Es besteht die Neigung zu Schluckstörungen, Krampfanfällen und Infektionen. Eine Lungenentzündung gilt als häufigste Todesursache.

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Demenz als das Leiden der Angehörigen

rollstuhlObwohl die vorangegangenen Beschreibungen des Krankheitsbildes deutlich machen, welche Belastungen mit einer Demenzerkrankung verbunden sind, werden circa 80% der Betroffenen Zuhause versorgt. 20 - 35% von ihnen sogar bis zu ihrem Lebensende. Pflegepersonen sind zu 2/3 die Ehepartner zu 1/3 geschieht es über Generationen hinweg (hier pflegen meist die Töchter bzw. Schwiegertöchter).

Schwer zu akzeptieren sind nicht in erster Linie die Gedächtniseinbußen, sondern die Verhaltensstörungen. Der uns bekannte Mensch, agiert plötzlich anders als gewohnt. Der Umgang gestaltet sich schwierig. Es fällt schwer, den Kontrollverlust des Gegenüber zu erleben, da wir selbst mit dem Alltagsgefühl leben, so ziemlich alles im Griff zu haben, lenken zu können und uns auf Abläufe und Routinen verlassen zu können. Wir werden hierdurch an Momente erinnert, in denen wir uns auch als hilflos, als Versager erlebt haben oder wo ein übergroßer Wunsch nach Geborgenheit nicht erfüllt wurde. Häufig entdecken wir Anteile im Verhalten der Erkrankten, die mit einem Tabu belegt und uns aberzogen wurden. Während wir sie uns - wenn überhaupt - nur im Geheimen erlauben, lebt der Demenzerkrankte sie schamlos aus. Hierzu gehören z.B. in der Nase popeln, sich selbst befriedigen, derbe fluchen, vor Wut schreien oder aus Angst jammern und heulen. Um in solchen Situationen verständnisvoll reagieren zu können, sind Selbsterfahrung und Reflektion von Nöten: Was würde geschehen, wenn wir ohne Kontrollmöglichkeit aussprechen, was wir wahrnehmen oder tun oder was uns gerade in den Sinn kommt? Beim Erkrankten überwiegt die Dominanz der Gefühle im Vergleich zu unserer Verstandesregulierung des Alltags.

Der Verlust an Kontrolle des Gegenübers führt zudem auch zu Rollenveränderungen im praktischen Alltag: Haushalt, Abrechnungen und Schriftverkehr müssen übernommen, Entscheidungen getroffen werden. Im emotionalen Bereich fehlt der gewohnte Austausch und die gegenseitige Stütze. Menschen mit Demenz senden häufig eine Doppelbotschaft: „Helft mir, ich verstehe die Welt nicht mehr!“ und „Nein, nein, ich kann das alles noch allein!“ Es fällt schwer, sich in die Denk- und Verhaltensweisen des Gegenüber hineinzuversetzen. Letztendlich fühlen sich alle Beteiligten unverstanden.

Doch trotz aller emotionalen und körperlichen Belastung, pflegen Angehörige häufig bis zur totalen Erschöpfung. Es fällt ihnen schwer, sich rechtzeitig den Grad der Unterstützungsnotwendigkeit einzugestehen und Hilfe einzufordern oder anzunehmen. Wegen der Eingebundenheit in die tägliche Versorgung und aus Scham über das Verhalten der Betroffenen, ziehen sie sich häufig aus ihren sozialen Kontakten und gesellschaftlichen Unternehmungen zurück und geraten in die Isolation. Ungefähr die Hälfte der Pflegenden erkrankt während der Pflege psychisch oder physisch. Informationen, Beratung, Selbstpflege, emotionale Entlastung und soziale Unterstützung sind deshalb dringend notwendig.

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Behandlung von Demenzerkrankungen und Umgang mit den Betroffenen

Viele Menschen stellen sich die Frage, was Ihnen das Wissen um die Diagnose Demenz nützt, wenn eine Heilung nicht möglich und die massiven Einschränkungen unausweichlich sind. Die Furcht, den Geist zu verlieren und in jeglichen Dingen abhängig von Hilfe zu werden ist groß. Besonders bei der Begegnung mit Menschen mit Demenz in der Frühphase, müssen wir diese Ängste bedenken. Sie spüren ihre Verfehlungen am deutlichsten und sind sich im bestimmten Umfang der Perspektive bewusst.


Medizinische Behandlungsmöglichkeiten der Demenz

Die frühzeitige Diagnose einer Demenz ist wichtig, um

  • heilbare Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • bei nicht heilbaren Erkrankungen den Verlauf zu verlangsamen und noch vorhandene Ressourcen länger zu nutzen.
  • die veränderte Lebensplanung für sich oder gemeinsam zu gestalten und Vorsorgemaßnahmen zu veranlassen.

Der Weg zur Diagnose geht meist über den Hausarzt zum Facharzt (Neurologe, Psychiater oder Memoryklinik). Das Erkennen läuft über Ausschlussverfahren (internistische Abklärung, Gespräche mit den Betroffenen und den für sie Sorge tragenden), Tests (z.B. Mini-Mental-Status-Test, Dem Tect, Uhrenzeichnung) und weitergehende Untersuchungsmöglichkeiten (Blutbild, EEG, Dopplersono, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Liquorentnahme).

Bisher gibt es keine Heilungsmöglichkeiten für Alzheimererkrankte. Es gibt zurzeit 3-4 Medikamente auf dem Markt, die die Selbständigkeit ca. ein bis zwei Jahre länger erhalten können. Dies sind Cholinesterase-Hemmer (Wirkstoffe: Rivastigmin, Donepezil und Galantamin), die das Acetylcholin erhöhen oder Glutamatsenker (Wirkstoff: Memantine). Andere Medikamente für die Steigerung der Hirnleistungsfähigkeit (z.B. Nootropika wie Gingkopräperate) können sich durch Effekte wie das Abfangen freier Radikaler positiv auf das Gedächtnis auswirken, sind aber eher bei Durchblutungsstörungen angesagt. Sie verzögern das allgemeine Fortschreiten einer Alzheimererkrankung eher nicht.

Ansonsten setzt die Therapie auf Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität / Schulung und Unterstützung der Angehörigen und Medikamente gegen Begleitsymptome (Depressionen, Ängste, Antriebsstörungen, Aggressionen). Maßstab ist die Linderung des Leidensdrucks.


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Nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und Umgang /Aktivierung bei Demenzkoerner

Jede Begegnung mit einem Menschen mit Demenz ist individuell und in der jetzigen Situation zu sehen. Trotzdem gibt es viele typische Situationen und hilfreiche Lösungsansätze im Umgang. Es kommt auf unser Wissen und vor allem auf unsere Haltung an. Erlebnisfähigkeit und Gefühle der Erkrankten bleiben bis zum Tod erhalten! Wir können durch Gestaltung von Lebensraum und Lebenszeit den Betroffenen ein genussvolles Leben im Hier und Jetzt ermöglichen. Stimmen Beziehung und Milieu muss es nicht zu einer Empfindung des Lebens als Aneinanderreihung von Verfehlungen und Verlustsituationen - ohne Ausgleichsmöglichkeit eines Gesunden durch positives Denken und logische Erklärungen für Scheitern - kommen.

Greta Wehner, deren Mann an Alzheimer erkrankt war, formulierte es so: „Das beste Medikament ist die Zuwendung.“

Da medizinische Hilfe nur begrenzt möglich ist und der Erkrankte sein Verhalten wenig steuern kann, liegt es an uns, unser Gegenüber so anzunehmen, wie er ist. Druck oder logische Argumentation unsererseits sind nicht angebracht. Eigener Stress und Ungeduld wird von den Erkrankten sehr schnell gespürt. Die Folge: Verweigerung, es geht gar nichts mehr. Stattdessen ist es hilfreich, eigene Maßstäbe und Ziele zurückzustecken, solange keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt (Sauberkeit der Wohnung, Wäschewechsel, Körperpflege, starre Gewohnheiten und Abläufe,...). In Situationen gefährlicher Selbstüberschätzung oder um die eigenen Kräfte zur Betreuung zu erhalten, ist es wiederum wichtig den Betroffenen Grenzen zu setzen. Eine klar geäußerte gefühlsmäßige Botschaft der Überforderung wird manches Mal erstaunlich gut angenommen.

Menschen mit Demenz brauchen eine stressfreie Atmosphäre. Diese schaffen wir am besten indem wir Halt, Sicherheit und Orientierung bieten. Überforderung, Hektik, Reizwörter und Verbote sollten wir - wenn möglich - vermeiden. Aggressionen, Verweigerungshaltungen (70% der Fragen an einen Demenzkranken werden von ihm verneint) und Rückzugstendenzen der Betroffenen haben ihre Ursache meist in Verständnisschwierigkeiten, einem geringeren Verhaltensrepertoire und Scham. Diese Verhaltensweisen sind kein Angriff, sondern Selbstverteidigung. Indem wir uns den Ursprung der Haltung unseres Gegenübers bewusst machen, verhindern wir, diese persönlich zu nehmen. Stattdessen können wir gezielt versuchen, auf Ängste und Unsicherheiten einzugehen.

Menschen mit Demenz verlieren häufig die Fähigkeit für eigene Ruhe und Entspannung zu sorgen. Verlässlichkeit, Rituale und feste Strukturen sind für sie wichtig. Von uns eher als zu monoton empfundene Abläufe bieten dem Erkrankten Sicherheit und Kompetenz durch gewohnten und teils vorhersagbaren Umgang. Um die Handlungsfähigkeit und das Selbstwertgefühl des Betroffenen zu steigern, können wir gezielt Identitätsbezüge schaffen und Schlüsselreize setzen. Dabei handeln wir stets im Rhythmus des Gegenübers, seine Tagesform bedenkend und an seinen Ressourcen orientiert. Gedächtnisübungen sind zum Ausspielen von Fähigkeiten hilfreich. Sie sollen den Selbstwert steigern oder erhalten, aber nicht auf Leistungsverbesserung gedrillt sein. Es gilt zu fördern, nicht zu überfordern. Informationen lassen sich eher im täglichen einfließen, als dass sie abgefragt oder gepaukt werden sollten.

Lebensqualität und Wohlbefinden können wir durch angenehme, sinnvolle und Biografie bezogene Tätigkeiten unterstützen. Wir können Kontakt und Zuwendung durch Blicke, Worte (Ansprache beim Namen, Aufmunterung, Lob und kurze bis längere Unterhaltungen) oder Berührungen (taktile Reize können einfach als angenehm empfunden werden, aber auch helfen, das nachlassende Körpergefühl zu stimulieren) herstellen. Dabei ist neben einer einfachen und klaren Ausdrucksweise eine ehrliche Kommunikation wichtig. Mimik und Gestik müssen stimmig zu unseren Aussagen sein. Demenzkranke haben ein feines Gespür für Authentizität.

In speziellen Gruppen für Menschen mit Demenz ist es möglich, gezielt zu fördern, gemeinsam zu genießen und sich in sozialen Rollen wieder zu erleben.

In kritischen Situationen (z.B. Aggression, Angst, „Weglauftendenz“, „unkooperatives Verhalten“) hilft es, die Gefühle zu validieren (Ursachen erspüren und einfühlend wiedergeben), Bewegungsdrang aufzunehmen (gemeinsam ein Stück gehen) aber auch abzulenken und geplante Tätigkeiten zu verschieben.

Das Wohnumfeld sollte so gestaltet sein, dass Bewegungsfreiheit und Sicherheit gegeben sind. Es sollte anregend und überschaubar sein. Eine Überstimulierung durch Radio, Fernsehen, Telefon, lautes Rufen, Hektik, etc. sollte ebenso wie Reizarmut vermieden werden. Persönliche Gegenstände und passende Kennzeichnungen (z.B. durch Farben, Symbole, Lichtintensität) helfen bei der Orientierung.

Nicht vergessen werden sollte ein regelmäßiges Überprüfen von Kommunikationshilfen wie Brille und Hörgerät.

Unsere Haltung und damit die Gestaltung unserer Beziehung zu Menschen mit Demenz und ihres Umfeldes ist ausschlaggebend für deren Lebensqualität. Mit Biografiearbeit, Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, Milieutherapie, Verhaltenstherapie, Realitätsorientierungstraining, Selbst-Erhaltungs-Therapie, Gedächtnistraining, tiergestützter Therapie, Validation, Snozelen, 10-Minuten-Aktivierung, Therapeutic Touch, Basaler Stimulation, Aromatherapie, usw. gibt es eine Vielzahl an Therapieformen und Beschäftigungsansätzen, ohne die geeignete Haltung dahinter sind sie jedoch wertlos.

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Prävention von Demenz

walkingEine Alzheimer-Prävention ist nicht möglich. Jedoch beugt eine gesunde Lebensweise (gesunde Ernährung, körperliche, geistige und seelische Aktivität) etlichen Ursachen anderer Demenzen vor. So helfen z.B. die Vitamine B6, B12, C und E, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren gegen freie Radikale, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Körperliche Bewegung regt u.a. den Sauerstoffaustausch und die Durchblutung an und schützt vor Übergewicht und damit verbundenen Komplikationen. Geistige Regsamkeit ermöglicht längeren Widerstand gegen Zelluntergang und bietet mehr Kompensationsmöglichkeiten. Soziale Kontakte helfen gegen Isolation. Hobbies und Sinne anregendes verhindern Interessenverarmung und Antriebslosigkeit. Neugierde auf die Welt um sich sowie neue Eindrücke und Anforderungen halten das Gehirn leistungsfähig.

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. Januar 2012 um 15:00 Uhr